STADTWERKSTATT
BERLINER MITTE
2020
DOKUMENTATION
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Wie funktioniert’s digital?

Stadtwerkstatt digital

Der Raum der Stadtwerkstatt in der Karl-Liebknecht-Straße gehört mit Sicherheit zu den Elementen, die diesen Beteiligungsprozess zu etwas Besonderem machen. Im März 2020 musste die Stadtwerkstatt jedoch auf Grund der Pandemie in den digitalen Raum verlagert werden – eine echte Herausforderung. Eine Herausforderung, die wir unter dem Motto das »Beste aus zwei Welten« zuversichtlich angegangen sind.

Das Forum im April war die erste digitale Veranstaltung, zu der das Team der Stadtwerkstatt aus dem bekannten und beliebten Raum die am Bildschirm auftauchenden Teilnehmer*innen begrüßte. Die Erkenntnisse aus dieser ersten online Veranstaltung haben sich seitdem immer wieder bestätigt: Digital erreicht die Stadtwerkstatt zuweilen mehr Menschen und die Gruppe der Teilnehmenden ist diverser geworden. Selbst komplexe Inhalte können gemeinsam und online erfolgreich bearbeitet werden.

Der digitale Projektwerkraum «Stadt-Garten-Fluss» lief über mehrere Wochen auf der Beteiligungsplattform meinBerlin. Hier produzierten die Teilnehmenden eine beeindruckende Zahl an wertvollen Beiträgen. Für ihre Arbeit konnten sie auf eigens dafür produzierte Informationsvideos und anschauliches Material bequem und ohne Zeitdruck von Zuhause aus zugreifen. Beim digitalen Pop-Up zum Molkenmarkt entwickelten sich die Ideen auf digitalen Pinnwänden und wurden zum Abschluss bei einer Live-Veranstaltung mit den Verantwortlichen aus der Verwaltung diskutiert.

Auf neuen Wegen, aber mit weiterhin viel Engagement konnte der Austausch zwischen Stadtgesellschaft, Initiativen und Verwaltung auch virtuell weitergeführt werden.

Bilder: Institut für partizipatives Gestalten | R. Wehking, F.Nehm

Wie funktioniert’s analog?

Stadtwerkstatt Vor-Ort

Die Stadtwerkstatt vor Ort hat im Jahr 2020 eine neue Bedeutung bekommen: Aus einem Ort, wurden in den letzten Monaten ganz viele Werkstätten. Für das Team der Stadtwerkstatt stand schnell fest: Wenn die Interessierten nicht in die Stadtwerkstatt kommen können, dann bringen wir die Stadtwerkstatt zu Ihnen.

An alle Interessierten, die ihre Arbeit lieber in der Hand halten, als auf dem Bildschirm zu betrachten, wurden Beteiligungspakete mit analogen Werkstücken und Informationen zum jeweiligen Projekt per Post zugeschickt. Außerdem ging das Lastenrad verstärkt auf Tour. An mehreren Nachmittagen motivierte das Team der Stadtwerkstatt Passant*innen dazu, direkt am Ort des Geschehens die Beteiligungspakete auszufüllen. Die 50 ausgefüllten Werkstücke im Rahmen der Beteiligung «Stadt-Garten-Fluss» zeugen vom regen Interesse der Berliner*innen an Stadtgestaltung trotz der Pandemie.

Gab es Rückfragen, war das Vor-Ort-Büro verstärkt telefonisch erreichbar und half auch bei technischen Fragen rund um die digitalen Formate weitere. Aktuelle Informationen werden zudem alle zwei Wochen über den Werkstattbericht verschickt.

Auch die Ausstellung zog kurzer Hand um und dekorierte die Schaufenster der Stadtwerkstatt. Dank der breiten Promenade vor den Schaufenstern können sich Interessierte im gebotenen Abstand und an der frischen Luft mit den neuen Informationen versorgen. Die zielgerichtete Kombination von Angeboten und Formaten im digitalen Raum und vor Ort hat sich bewährt und wird auch weiterhin die Stadtwerkstatt prägen. Wir freuen uns, dass es gelungen ist den Austausch mit der Stadtgesellschaft auch unter erschwerten Bedingungen aufrecht zu erhalten.

Was für ein Jahr...
27,6 Stunden Online-Veranstaltungen
99 verschickte Briefe für die analoge Beteiligung
175 Pins auf digitalen Pinnwänden
617 Teilnehmende
1722 Sekunden Informationsvideos
4958 Klicks auf mein.Berlin
17.646 Arbeitsstunden
148.140 Buchstaben in 20 Werkstattberichten

Los geht’s...

Interview: Manfred Kühne

Große Entwicklungen transparent & gemeinsam gestalten!

Herr Kühne (Abteilungsleiter, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen) berichtet von seinen Erfahrungen aus einem überraschenden Jahr Stadtwerkstatt:

Wie haben Sie die Beteiligung & den Austausch dieses Jahr wahrgenommen?

Wir hatten in den letzten Monaten wechselnde Bedingungen. Phasen, in denen Präsenzveranstaltungen nicht möglich waren und Phasen in denen wir wieder beides anbieten konnten. Es ist uns gelungen, für Kontinuität in der Kommunikation von Projektthemen zu sorgen, und gleichzeitig in den Austausch mit neuen Engagierten zu kommen. Insbesondere für uns in der Verwaltung und auch für mich persönlich war das eine bereichernde Erfahrung.

Außerdem gelingt es uns mit den digitalen und hybriden Informationen, noch besser diejenigen zu erreichen, die am konkreten Veranstaltungszeitpunkt keine Zeit haben oder auch nicht gerne in Präsenzveranstaltungen gehen. Das ist ein großer Vorteil. Dies bereichert die Beteiligungsformate, bei denen man sich über einen längeren Zeitraum mit den Informationen auseinandersetzen und Rückmeldungen geben kann. Damit können wir uns vor allem auf die Bedürfnisse von digital affinen Interessent*innen einstellen und erreichen damit auch deutlich mehr jüngere Menschen.

Wie haben Sie den Dreh der neuen Informationsvideos erlebt?

Es ist eine andere Art zu sprechen und Informationen rüberzubringen. Man muss sehr viel fokussierter sein und kann weniger improvisieren, was ich eigentlich gerne mache. Ich glaube aber, dass es sehr große Vorteile hat, dass man dabei nicht nur mit Worten oder Fotos argumentieren kann. Über die Videos kann auch die Atmosphäre des Ortes, mit dem man sich auseinandersetzt, übermittelt werden.

Was wünschen Sie sich für die weitere Beteiligung in der Stadtwerkstatt?

Es war ein herausforderndes und überraschendes Jahr. Ich habe den Eindruck, dass wir, alle die sich beteiligt und mitgewirkt haben, sehr kreativ und geduldig miteinander umgegangen sind. Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass die online Kommunikation vor allem im persönlichen Austausch ihre Grenzen hat, aber auch diszipliniert und mit dafür sorgen kann, dass bestimmte Programmabläufe fokussiert durchgeführt werden können. Diese Erfahrungen in zukünftige Veranstaltungen zu übernehmen, ist für mich eine interessante Fragestellung.

Was waren die wichtigsten Erfahrungen aus diesem Jahr, die Sie für die weitere Arbeit der Stadtwerkstatt mitnehmen können?

Zum einen hat sich bestätigt, dass immer dann, wenn wir uns, wie beispielsweise bei der Auseinandersetzung mit dem Flussbad und dem Garten der ESMT, mit konkreten Räumen und alternativen Gestaltungsvorschlägen auseinandersetzen, das Interesse deutlich größer ist, als wenn wir abstrakte Themen diskutieren. Zum Anderen haben wir sehr viel darüber gelernt, wie wir online und hybride Kommunikationsformen praktizieren können. Es ist aber auch deutlich geworden, dass sich das Gefühl Vor-Ort treffen zu können, wenn auch unter Hygienebedingungen, um gemeinsam zu diskutieren und sich mit den Realitäten vor Ort auseinander zu setzen - das dieses Gefühl für alle ganz wichtig ist. Es gibt eine starke Sehnsucht bei allen Beteiligten, das im nächsten Jahr auch wieder möglich zu machen.
Zum anderen habe ich noch einmal den Eindruck bekommen, dass viele wichtige Projektpartner*innen, die Stadtwerkstatt, immer noch als eine reine Veranstaltung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, wahrnehmen. Wir wollen aber gerade Projekten und Projektverantwortlichen, die in vielen Fällen gar nicht mehr wir selber sind, ein Forum bieten. Ich glaube, das ist ein interessantes Thema für unsere Arbeit im nächsten Jahr und auch darüber hinaus.

Bild: Institut für partizipatives Gestalten | R.Wehking, L.Langer

Stadtlabore Rathausforum | 21.01 & 18.02.2020

Freiraumwettbewerb Rathausforum

Nach dem Auftakt der Beteiligung mit dem Projektwerkraum im November 2019 beginnt das neue Jahr mit den weiteren Vorbereitungen zum Freiraumwettbewerb für das Rathaus- und Marx-Engels-Forum.

Rund 60 Interessierte fanden sich am 21. Januar in der Stadtwerkstatt zusammen, um die Themen »Aufenthalt und Nutzung« noch einmal gemeinsam zu beleuchten. Die Ergebnisse aus einer ersten Sondierungsphase wurden vorgestellt und gemeinsam mit den Anwesenden diskutiert und um weitere Anregungen ergänzt.

Nur einen Monat später, am 18. Februar, standen dann die Themen »Bewegen und Orientierung« im Fokus. Hierfür wurden Pläne des Areals in der Stadtwerkstatt ausgebreitet, um gemeinsam über Ideen und Anregungen für die zukünftige Planung zu diskutieren.

Das dritte Stadtlabor zum Thema »Identität« war im März geplant und musste leider auf Grund der Pandemie kurzfristig abgesagt werden. Alle Ergebnisse aus den ersten Laboren fließen aber in die Wettbewerbsausschreibung ein.

Noch nicht genug gelesen?

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Molkenmarkt | 13.6 - 24.7.2020

Digitaler Pop Up Molkenmarkt

Die Stadtwerkstatt geht mit allen Interessierten auf virtuelle Erkundungstour am Molkenmarkt. In drei Videos berichtet Herr Kühne (Abteilungsleiter, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen) Vor-Ort über die Planungen und das städtebauliche Qualifizierungsverfahrens.

Auf molkenmarkt.berlin.de stehen vielfältige Informationen, historische Bilder und ein Podcast von Studierenden der TU mit Stimmen aus dem Viertel bereit. Inspiriert von den virtuellen Eindrücken wurden vom 13. Juni bis 24. Juli insgesamt 175 Ideen für das neue Quartier auf digitalen Pinnwänden gesammelt und in den Kommentaren diskutiert.

Zum Abschluss wurde am 24. Juli zu einem live Austausch mit Expert*innen aus der Verwaltung eingeladen. Die Themen »Öffentlichen Raum gestalten« und »Nachhaltiges Miteinander« standen im Fokus.

Insgesamt war es ein Monat voller Ideen und digitalem Austausch zum Molkenmarkt!

Bild: Institut für partizipatives Gestalten | F.Nehm

Interview: Jens Piet Lindenberg

Beteiligung multimedial gestalten!

Herr Lindenberg berichtet von seinen Erfahrungen den Molkenmarkt virtuell zu erkunden und digital in den Austausch zu kommen.

Wie hat es sich für Sie angefühlt sich von zuhause aus zu beteiligen?

Für mich war das vom Technischen her keine große Herausforderung. Es war eher die Umstellung zuhause zu sein. Ich komm nicht vom Fach, ich bin eigentlich Tiermediziner und aus dem Marketing. Mit Stadtplanung habe ich nur privat aus Interesse zu tun - für mich wäre es natürlich dann wichtig, Leute zu kennen, sich zu vernetzten. Der Part hat mir gefehlt.

Wie war es für Sie den Molkenmarkt virtuell zu erkundigen?

Das ist natürlich viel großartiger, weil die Materialien alle vorproduziert sind. So kann man ganz andere Sichtachsen bedienen, man kann sich Seiteninformation dazu holen: viel Historie, viele archäologische Informationen - das war spannend.

Hat Ihnen ein Tool besonders gut geholfen?

Zum einen historische Bilder, dafür müsste man sonst in die Bibliothek gehen oder Institute aufsuchen, die sich mit der Materie befassen und insofern war das gut, dass das zu diesem Projekt einfach verfügbar war. Auch das weitere Begleitmaterial war gut eingesetzt, sodass jeder sein Level finden und dann in die Tiefe gehen konnte.

Wie haben Sie den Austausch auf den digitalen Pinnwänden wahrgenommen?

Ich bin sonst nicht viel in sozialen Netzwerken unterwegs. Aber als ich das jetzt gemacht habe, in dem Umfeld, dachte ich: »Okay, du musst aufpassen, nicht nur orthografisch sauber zu schreiben und konzentriert auf den Punkt zu sein, sondern auch zu gucken, was du sprachlich zurücknehmen könntest.« Man hat jetzt nicht die Chancen, Interpretation oder Deutungen von anderen vorwegzunehmen, weil jeder empfindet bestimmte Formulierungen anders als man selbst.

Wie haben Sie die Abschlussveranstaltung wahrgenommen?

Ich bin nicht so derjenige, der spontan Wortbeiträge gibt. Für mich war das schriftliche Format vorher schon besser, um in Ruhe abzuwägen. Aber die Veranstaltung war eine gute Sache, um eine Zusammenfassung zu bekommen. Allein die Darstellung der Themencluster und der Auswertung, fand ich toll, weil man sich Einordnen konnte: Stehe ich mit meiner Meinung komplett alleine oder ist das eine Mehrheit. Hier bekommt man direkt eine Stimmung der Teilnehmenden. Das passiert sonst oft irgendwann Monate danach oder man sieht es erst wenn schon Entwürfe da sind, was aus dem Input geworden ist.

Welche Beteiligungsmöglichkeiten würden Sie auch in Zukunft beibehalten?

Ich glaube gerade, dass es gut ist, wenn beide Möglichkeiten, also sowohl digital als auch analog gegeben sind. Wenn manche Leute sich selbst nicht als Spezialisten sehen, aber sich umgeben von Spezialisten fühlen, ist die Hürde sich zu Wort zu melden, größer. Die wird im Digitalen abgebaut. Da kann man sich vorher Gedanken machen, recherchieren und ist dann vorbereitet. Außerdem sind die verschiedenen Zugänge wichtig. Es gibt Leute, die sich akustisch schnell in Themen einarbeiten können und manche müssen die Dinge wirklich sehen und da ist es wichtig über verschiedene Sinne zu arbeiten, um wirklich einen bleibenden Eindruck bei Teilnehmern zu hinterlassen.

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Stadt-Garten-Fluss | 24.07.- 9.8.2020

Digitaler Projektwerkraum Stadt-Garten-Fluss

Ein Bouleplatz, der Erhalt des Flussbad-Cafés oder Platz für nachbarschaftliche Picknicks: das sind insgesamt 3 von 45 Ideen, die für den ehemaligen Staatsratsgarten auf mein.Berlin entstanden sind.

Vom 24. Juli bis 9.August lud die Stadtwerkstatt zur Beschäftigung mit der Freiraumstudie zum ehemaligen Staatsratsgarten ein. Die Interessierten sich sowohl online auf mein.berlin.de, als auch analog, bei Sonnenschein im Flussbad-Café beteiligen. In drei Umfragen sind Ideen für eine lebendigen Nachbarschaft und die Einschätzung den Entwürfen der Landschaftsarchitekten zur Gestaltung der Promenade und dem Zugang zum Wasser gefragt. Geht es nach den Teilnehmer*innen sollen hier mit Sitzgelegenheiten und einer Öffnung des Gartens Begegnungsorte für Anwohner*innen und Passant*innen geschaffen werden. Eine Mehrheit ist sich am Ende der drei Wochen einig, dass hier eine grüne Ruheoase für die Berliner Mitte entstehen kann!

Interview: Viviann Remmel

Beteiligung Vor-Ort trotz physischer Distanz gestalten!

Frau Remmel ist Mitarbeiterin des Flussbad e.V., aber auch persönlich in der Stadtwerkstatt engagiert.

Wie haben Sie die Beteiligung vor Ort am Flussbad wahrgenommen?

Es gab die Banner zur Onlinebeteiligung am Flussbadcafé und da sind Viele an unsere Mitarbeiter*innen herangetreten und haben gefragt »Worum geht es denn? Was ist denn eigentlich die Sache?«. Es war auch so, dass interessierte Bürger*innen nicht nur an uns herangetreten sind, sondern, dass sich schnell auch ein Austausch zwischen den Cafébesucher*innen ergeben hat. Das war schön zu sehen, dass der Garten es ermöglicht hat mit Abstand und an der frischen Luft ins Gespräch zu kommen.

Wie hat es sich angefühlt die Empfehlungen vor Ort zu entwickeln?

Ich hatte tatsächlich das Gefühl, dass es vor Ort die Möglichkeit gab, für die diejenigen, die mitmachen wollten, sich die Planungen direkt bildlich vorstellen können. Das war wirklich ein großer Vorteil, dass es zumindest in den Sommermonaten die Möglichkeit gab sich vor Ort hinzustellen und sich zu überlegen: »Was will ich denn eigentlich hier oder was kann ich mir vorstellen? Wie sieht das denn hier aus?«

Welche Qualitäten waren besonders an der digitalen Beteiligung?

Ich glaube, dass gerade das Digitale natürlich die Möglichkeit besitzt, sich über längeren Zeitraum mit der Sache zu befassen. Es ist eben nicht nur eine zwei stündige Veranstaltung, sondern man hat wirklich innerhalb dieser zwei Wochen jeden Tag eigentlich die Möglichkeit gehabt, rein zu gucken und zu sehen: »Wurde auf meine Idee was geschrieben und was antworte ich drauf ?« Und das war wiederum, toll.

Wie haben Sie die Beteiligung auf mein.berlin wahrgenommen?

Ich fand bei der Beteiligung «Stadt-Garten-Fluss» schön, dass es wirklich sehr qualitativ hochwertige Antworten gab, und das wirklich Meinungen geäußert wurden. Das war dann nicht nur ein »Gefällt mir nicht, weil es mir nicht gefällt«, sondern »Es gefällt mir nicht, weil mir diese zwei Sachen wichtiger sind.«

Am spannendsten fand ich persönlich den ersten Teil, in dem man Ideen auf der Karte pinnen konnte. Da fand ich toll, dass direkt Ideen entwickelt und wirklich auch weiter gesponnen wurden. Das fand ich wirklich inspirativ, um mal wieder über den Tellerrand zu gucken.

Welche neuen Perspektiven haben sich für Sie aus der Beteiligung ergeben?

Für uns als Verein ist dieser Austausch, ob nun analog oder digital, der Zugang zu weiteren Möglichkeiten, zu weiteren Ideen und gleichzeitig auch nochmal die Möglichkeit um nachzuforschen: »Ist das, was wir gerade machen, so konform mit denen, die wir eigentlich vertreten?« oder »Was sagen eigentlich die, die wir nicht vertreten dazu?« und »Können wir das nachvollziehen, können wir nochmal über unsere Perspektive selber nachdenken?«. Ich glaube, das ist uns ganz stark bewusst geworden.

Für mich persönlich, weil ich selber aus der Sparte der Bürgerbeteiligung in der Stadt komme, muss ich sagen, dass die Formate der Stadtwerkstatt wirklich super sind. Das Projekt bietet, wirklich die Möglichkeit, Einzelmeinungen sichtbar zu machen. Ich glaube, gerade in dieser Situation, in der wir uns nicht mit Schildern hinstellen und demonstrieren können, bietet gerade dieses Digitale einen geordneten Rahmen, um auch wirklich an die Schlüsselstellen zu appellieren. Das finde ich unglaublich bemerkenswert.

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Bild: Institut für partizipatives Gestalten | L.Langer

Sie fragen- Wir antworten | 26.11.2020

Unsere Projekte der Berliner Mitte

Zum Jahresabschluss lud Herr Kühne (Abteilungsleiter, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen) am 26.11. alle Interessierten dazu ein, sich mit Ihren Fragen zur Berliner Mitte in das Studio der Stadtwerkstatt zu schalten.

An diesem Abend stand nicht ein einzelnes Projekt im Fokus, sondern das gesamte Projektgebiet der Stadtwerkstatt. Zu den Schwerpunktthemen Archäologie & Geschichte, Wohnungsneubau, Freiraum und Verkehr wurden vorab sowohl im Forum als auch über meinBerlin die Fragen aus der Stadtgesellschaft gesammelt. Herr Kühne und sein Gast Herr Spieß (Stadtmuseum) beantworteten diese live. Besonderes Interesse lag an diesem Abend auf Projekten wie dem Molkenmarkt, dem Flussbad, den Archäologischen Fenstern oder auch der Mühlendammbrücke.

Dabei wurden ganz konkrete Fragen gestellt, beispielsweise welche Baukörper am Molkenmarkt bereits festgelegt sind oder nach der Gestaltung der Rad- und Fußwege zwischen Leipziger Straße und Fischerinsel. Es wurde auch darüber gesprochen, wie die Ergebnisse von Beteiligungen noch besser in die Planungen einfließen können.

Ein schöner Jahresabschluss mit einem fragenreichen Rundgang durch die Projekte der Berliner Mitte!

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Forum & Begleitgremien digital

Der Herzschlag der Stadtwerkstatt

Im Forum treffen sich die aktiven Bürger*innen, Mitarbeiter*innen der Senatsverwaltung und alle, denen die Berliner Mitte am Herzen liegt. Im Forum findet der monatliche Austausch zu Projekten, Themen und Ideen statt. Als die Kontaktbeschränkungen eingeführt wurden, bekam dieser Austausch eine ganz besondere Bedeutung. Mit dem digitalen Forum konnte der Kontakt zwischen den Aktiven der Berliner Mitte aufrecht erhalten werden. Denn das Zusammenkommen und der informelle Austausch ohne strikte Tagesordnung sind ein wichtiger Bestandteil des monatlichen Treffens. Auch sonst bestimmen vor allem die teilnehmenden Bürger*innen die Inhalte: Fachliche Fragen an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen aus dem jeweils vorangehenden Forum werden beantwortet und Aktuelles aus der Stadtgesellschaft wird zusammengetragen. Besonders hilfreich für den Prozess der Stadtwerkstatt war die gemeinsame Reflexion digitaler Beteiligungsformate - mit dem Feedback aus erster Hand konnte das Team der Stadtwerkstatt präzise weiter arbeiten. Das Forum findet regelmäßig am zweiten Mittwoch des Monats statt - kommen Sie mit Ihren Themen und Ideen in die digitale Stadtwerkstatt und machen Sie mit!

Eine kontinuierliche Begleitung

Die Arbeit der Stadtwerkstatt wird dauerhaft durch zwei Gremien begleitet: dem Begleitkreis und dem Koordinationskreis.

Der Begleitkreis sorgt dabei für eine enge Vernetzung zwischen stadtpolitischen Sprecher*innen, Bürger*innen aus den Institutionen der Berliner Mitte und den zu Beginn der Stadtwerkstatt gewählten Vertreter*innen aus der Stadtdebatte 2015. Mit einem Ohr an der Stadtgesellschaft, gaben die Mitwirkenden auch dieses Jahr viele hilfreiche Rückmeldungen zu den Projektwerkräumen. Gerade im Umgang mit den neuen digitalen Beteiligungsmöglichkeiten, hat die Reflexion der Mitwirkenden geholfen, z. B. die Formate möglichst barrierefrei zu gestalten. Ein Fazit aus den Sitzungen war: Die digitalen Beteiligungsmöglichkeiten bieten eine gute Ergänzung zu den bisherigen Veranstaltungen, aber die Diskussion und der Austausch vor Ort fehlen!

Im Koordinationskreis kommen Projektleiter*innen aus den institutionellen Projekten der Berliner Mitte zusammen. Ein zentrales Thema sind hier die Beteiligungsmöglichkeiten für die Stadtgesellschaft. Mit großer Experimentierfreude haben die verschiedenen Institutionen ihr Angebot ebenfalls in den digitalen Raum verlegt. Die Stadtwerkstatt bot den Raum an, um sich über die jeweiligen Erfahrungen auszutauschen und so verschiedene Methoden kennenzulernen.

Interview: Gerd Kaufmann

Stadtgesellschaft bleibt aktiv!

Herr Kaufmann ist Dialogbotschafter und kontinuierlicher Begleiter der Stadtwerkstatt, auch im virtuellen Raum.

Wie haben Sie den Austausch im digitalen Forum wahrgenommen?

Wenn man den Fokus darauf legt, dass die Problemlösung oder der konstruktive Austausch miteinander möglichst effektiv stattfindet, dann finde ich die digitalen Formate sehr gut. Für mich war es eine sehr gute Arbeitsatmosphäre in den Foren. Natürlich fällt aber Vieles abseits dieser funktionalen Logik weg.

Ich fand schön, dass ein kleines Stück davon durch die Angebote, wie die Zusendung von Werkstücken kompensiert werden konnte. Hier hatte man etwas haptisches in der Hand, mit dem man sich beschäftigen musste. Es hat hier zwar auch der Austausch gefehlt, aber es gab noch einmal eine andere Ebene als den funktionalen Diskurs über eine Problemlösungsstrategie.

Wie war es für Sie im Begleitkreis nun auch digitale Formate vorzubereiten?

Dadurch, dass ich auch beruflich mit der Digitalisierungsfrage von Veranstaltungen beschäftigt, war das für mich unproblematisch. Ich fand die Ideen und Vorschläge sehr gut konzipiert und ich hatte auch das Gefühl, dass es hier eine gute Resonanz gab.

Welche Qualitäten haben Sie besonders geschätzt und welche haben Sie vermisst?

Die Spannbreite unterschiedlicher Formate - von Werkstück, über Präsenzveranstaltung bis hin zu virtuellen Formaten- war toll. Vermisst habe ich das gemeinsame Diskutieren am Tisch, was manchmal sehr spannungsvoll verlaufen ist, wo es aber häufig zu einem Moment gekommen ist, in dem gegenseitiges Verständnis gewachsen ist.

Gab es dieses Jahr besondere Herausforderungen für ihr Engagement in der Stadtwerkstatt?

Ja, das hatte aber weniger etwas mit der Digitalisierung zu tun, sondern eher mit den dicken Brettern die teilweise zu Bohren sind. Das war auch Diskussionsgegenstand in den Foren und den Kreisen. Bei vielen Projekten existieren langfristige Festlegungen und werden teilweise langfristige Entscheidungen getroffen, die nicht immer direkt nachvollziehbar sind. Da entsteht dann manchmal ein Vakuum, bei dem man nicht weiß, wo die Ergebnisse aus der Stadtwerkstatt genau hinführen.

Ist Ihnen ein Moment aus diesem Jahr besonders in Erinnerung geblieben?

Ich fand es besonders schön, mir die Videos zum Molkenmarkt, aber auch zum Flussbad anzuschauen. Hier konnte man die Vorarbeiten, die schon gelaufen sind, und zum Beispiel die Entwürfe beim Flussbad, die man beurteilen sollte, besser verstehen. Diese Verbindung herzustellen, dass es nicht nur um die Beurteilung von irgendwelchen Zetteln oder Planungen geht, die vorgelegt werden, sondern, dass diese noch mal in einen größeren Kontext gestellt werden, und man dafür nicht einen Aktenordner durchlesen muss - das fand ich sehr gut.

Wenn ein Format aus diesem Jahr beibehalten werde sollte, welches wäre das?

Wenn man sich jetzt etwas wünschen könnte und es eine unbegrenzte Finanzierung für die nächsten fünf Jahre gäbe, dann finde ich, dass alles beibehalten werden sollte. Ich finde diese Mischung der unterschiedlichen Formate sehr sinnvoll. Man muss dann eben immer überlegen, was macht man wie und wofür? Also ist es eher ein Format, wo man dann am Tisch miteinander diskutiert um gemeinsame Positionen zu formulieren, dann ist eine Onlineveranstaltung nicht passend. Wenn es darum geht unterschiedliche Perspektiven abzuholen oder Dinge zur Diskussion zu stellen, finde ich online Formate wirklich sehr wichtig. Die hybride Stadtwerkstatt wäre mein Favorit!

Noch nicht genug gelesen?

Hier die komplette Dokumentation herunterladen.

Interview: Vor-Ort-Büro

Die Stadtwerkstatt entwickelt sich weiter.

Interview Vor-Ort-Büro: Jetzt auch digitale Gastgeber*innen

Was war die größte Veränderung für Sie in der Arbeit im Vor-Ort Büro?

Wir waren erst einmal ein bisschen erschrocken. Die Stadtwerkstatt ist einheitlich so konzipiert, dass wir den Raum gestalten, hier Gastgeber*innen sind und Menschen empfangen, um zusammen zu sein und gemeinsam zu arbeiten. Wir fragten uns: Wie soll das jetzt digital funktionieren? Um mit den Interessierten in Kontakt zu bleiben, haben wir zuallererst unsere Telefonsprechzeiten auf die ganze Woche ausgeweitet und über unseren Werkstattbericht alle zwei Wochen aktuelle Informationen verschickt. Jetzt sind wir vor allen Dingen Gastgeber*innen im virtuellen Raum und es freut uns, dass wir so in Kontakt bleiben können.

Wie haben Sie den direkten Austausch mit den Passant*innen bei den Lastenradaktionen erlebt?

Die schönste Lastenradaktion war zur Beteiligung «Stadt-Garten-Fluss». Da sind wir einen Nachmittag zum Flussbadcafé gefahren und sind, zwar auch auf Abstand, aber direkt mit Passant*innen ins Gespräch gekommen. Wir haben zum Beispiel vier Student*innen getroffen, haben Ihnen unsere Werkstücke gegeben und sie haben direkt vor Ort ganz begeistert angefangen, in den Plänen zu malen. Es war eine schöne Abwechslung zu den digitalen Kontakten: vor Ort ins Gespräch zu kommen, Fragen beantworten zu können und zu sehen, wie die Personen mit ihren Ideen und Werkstücken umgehen. Das war auch eine Neuigkeit, im Vergleich zu den Projektwerkräumen in der Stadtwerkstatt, bei denen man auch nur anhand von der Bodenkarte oder Plänen gearbeitet hat.

Welche neuen Qualitäten haben Sie in der virtuellen Zusammenarbeit mit der Stadtgesellschaft entdeckt?

Es gibt zwei Sachen, die digital besser und einfacher funktionieren, als präsent. Wir haben uns zum einen sehr über mehr Teilnehmer*innen gefreut, die wir leichter erreichen konnten, da sich von zu Hause einfach reinklicken und mitmachen können und nicht genau zum Veranstaltungszeitpunkt Zeit haben müssen. Zum anderen haben wir zum Beispiel mit dem Beteiligungsformat »Stadt-Garten-Fluss« über drei Wochen die Beteiligung angeboten. Das war super, weil alle mehr Zeit haben, sich mit den teilweise sehr komplexen Inhalten und Informationen auseinanderzusetzen und man sich ohne den Druck einer Veranstaltung, mit viel Zeit und Ruhe einlesen kann und vielleicht über mehrere Tage verteilt seine Beiträge dazu schreiben kann. Das hat sich auch in der Qualität der Beiträge widergespiegelt, die sehr hoch war. Für uns als Gestalter*innen des Prozesses hat es außerdem Spaß gemacht neue virtuelle Formate gemeinsam auszuprobieren und uns, wie zum Beispiel mit den Videos auf ganz neue Weise mit der Vermittlung der Informationen zu befassen.

Wie haben Sie den Austausch mit der Stadtgesellschaft in Zeiten der physischen Distanz erlebt?

Der Austausch im virtuellen Raum ist natürlich ein anderer. Die kurzen persönlichen Gespräche vor oder nach der Veranstaltung fallen weg, wenn man sich nur digital begegnen kann und auch das Gefühl, gemeinsam im Raum der Stadtwerkstatt zu arbeiten, vermissen wir. Wir freuen uns umso mehr darüber, dass so viele Interessierte uns weiterhin virtuell besuchen oder über E-Mail und Telefon den Kontakt halten. Die Resonanz, die wir im digitalen Raum erfahren ist nicht ganz so direkt, aber beispielsweise im Forum bekommt man regelmäßig einen Eindruck, wie die Beteiligung auch von der Stadtgesellschaft wahrgenommen wird und welche Themen gerade besonders wichtig sind.


Die Reise geht weiter...

Dieses Jahr ist die Stadtwerkstatt vor allen Dingen auf virtuelle Erkundungstour durch die Berliner Mitte gegangen. Auf dem Weg haben alle Beteiligten viel Neues entdeckt und einiges dazugelernt - sowohl zu den aktuellen Entwicklungen, als auch die Bedienung des ein oder anderen digitalen Werkzeugs. Wie beispielsweise am Flussbadcafé oder auch am Lastenrad war es aber auch immer wieder möglich auf Abstand in den direkten Austausch zu kommen und sich so ab und zu vor Ort zu treffen. Auch dieses Jahr sind viele wertvolle Empfehlungen zu den verschiedenen Projekten entstanden und den Expert*innen mit auf den Weg für die weiteren Entwicklungsschritte gegeben worden.

2021 reist die Stadtwerkstatt weiter. Das neu Gelernte nehmen wir mit, entwickeln den Prozess weiter und freuen uns auf einen weiteren Austausch sowohl im virtuellen Raum, als auch vor Ort!